BNN Juli 1998

Menschen im Berufsalltag: Möbeldesigner Martin Fuchs

Bekannt als Fachmann für das Ungewöhnliche

Mit Kreativität und Fantasie erhalten neue Möbel oft ein spannendes Gesicht

-er. Wie bringe ich in einem Haus mit Schrägdach einen großzügigen Arbeitsplatz unter, in luftiger Höhe ein Bett für zwei Erwachsene, die sich beim Aufstehen nicht den Kopf an der Decke stoßen sollen und gestalte das Ganze auch noch ansprechend? Mit diesem Problem beschäftigt sich gerade der Schreinermeister und Möbeldesigner Martin Fuchs. Er überlegt und mißt, zeichnet, plant um, mißt wieder. Erst wenn das Ergebnis seinen Vorstellungen entspricht, wird er seinen Entwurf den Auftraggebern vorstellen, eventuelle Änderungen und zusätzliche Wünsche einarbeiten, die erforderlichen Materialien bestellen, und dann geht´s ans Werk. Gerade solche Fantasie und Kreativität erfordende Aufträge sind es, die ihm Spaß machen – Möbel, denen er durch die Kombination von Holz mit Glas, Stahl oder Leder Spannung und Gesicht geben kann.

Der 34jährige Durlacher, vierfacher Familienvater, legte am Markgrafen-Gymnasium sein Abitur ab, wollte aber von vornherein nicht studieren. Seine Liebe zum Holz entdeckte er ausgerechnet bei der Bundeswehr, als er bei der Berufsbildungsakademie einen Kurs mit Schwerpunkt Holz belegte. Die Lehre machte er in einem Aumer Schreinereibetrieb, wo er, wie er rückblickend meint, wirklich etwas lernte. Als Geselle blieb er noch ein Jahr und stellte während dieser Zeit fest, daß ihm der Sinn mehr nach Möbel – denn nach Bauschreinerei stand. Vier Jahre arbeitete er anschließend in einer Karlsruher Möbelwerkstätte, die hauptsächlich Spezielanfertigungen für Hotels und Gaststätten herstellte. Hier konnte Martin Fuchs erstmals selbständig arbeiten, auch eigene Entwürfe verwirklichen. Das ermutigte ihn, sich um einen der raren Plätze an der Stuttgarter Fachschule für Holztechnik zu bewerben, deren Schwerpunkt auf Entwurf und Gestaltung liegt. Er wurde angenommen und verließ die Schule nach zwei Jahren als Schreinermeister und staatlich geprüfter Möbel- und Innenraumgestalter.

Rasch mußte er jedoch feststellen, daß es heute, wo die Schrankwände meist in Form plastikfolienüberzogener Preßspanplatten vom Fließband kommen, extrem schwierig ist, eine Beschäftigung zu finden, die individuelles, kreatives Arbeiten mit Holz ermöglicht. Als sich daher die Gelegenheit bot, eine vorhandene Ittersbacher Werkstatt mit zu benutzen und als Selbständiger sein Glück zu versuchen, griff er zu. Diesen Entschluß hat er bis heute nicht bereut. Es entwickelte sich eine fruchtbare und kollegiale Arbeits- und Werkstattgemeinschaft. Daß er gleich anfangs einem befreundeten Arzt die Praxiseinrichtung paßgenau entwerfen und planen konnte, erwies sich als Glücksfall, denn er wurde als Fachmann fürs Ungewöhnliche, Ausgefallene, Schwierige weiterempfohlen. Den Zugang zu einem Sitzplatz in einem alten Durlacher Haus baute er wunschgemäß in Form einer zweigeteilten Pferdestalltür, die sich oben und unter getrennt öffnen läßt. Für die Giebelwand eines Hauses entwarf und baute er einen genau passenden Schrank, die nach oben schmal zuläuft. Zwei Zahntechnikern richtete er ein speziell auf ihre arbeitsergonomischen Anforderungen zugeschnittenes Labor ein, wobei er auch Koordinator für die anderen Gewerke war.

Oft wollen Kunden etwas ganz Bestimmtes haben, von dem er als Fachmann sofort sieht, daß die Realisierung enttäuschen würde, erzählt Martin Fuchs. Dann versucht er, ihnen anhand einer Zeichnung vorsichtig klar zu machen, daß und weshalb sie falsch liegen und macht Alternativvorschläge. Meistens klappt´s, meint er lachend.